Lange bevor es Twitter (twittern = zwitschern) gab, hat der schweizer Kunstmaler Paul Klee (1879−1940) bereits 1922 eine „Zwitschermaschine“ erfunden. Genau genommen gibt es die ersten Aufzeichnungen zu dieser „Maschine“ bereits in seinen Schulheften.

Vier „schräge“ Vögel sitzen auf einer Leine. Die Leine hängt über einer Stange, die von einer Kurbel in Bewegung gesetzt werden kann. Die Gesamtkonstruktion ist in einer Grube versenkbar. Im Moment ist die Vogelgesellschaft herauf gehoben. Die Zeichnung ist auf himmelblauem Grund angelegt, dass zu den Blatträndern hin in Rose, Grauweiss und Grauviolett übergeht. Der Vogel links ist der Grösste. Er hat lange Beine, einen langen Schwanz, er reckt Hals und Kopf senkrecht gen Himmel. Aus seinem Schnabel ragt eine imposante Zunge in den Himmel. Am Hinterkopf sitzt ein grösserer Federpuschel. Der zweite Vogel wirkt kleiner. Er krallt sich breitbeinig an der Leine fest. Kopf und Schnabel weisen nach unten und die herabhängende schmale Zunge vollzieht eine einwickelnde Bewegung. Der dritte Vogel ist von mittlerer Grösse. Bei ihm fällt die Spiralbewegung seines langen Halses auf. Sein Kopf orientiert sich nach links, seine Zunge biegt sich nach Oben. Der letzte Vogel sitzt dicht neben dem Dritten. Er ist etwas kleiner als der Zweite. Er schaut nach rechts, seine Zunge schießt pfeilförmig hervor.
Welchen Zusammenhang repräsentieren vier Vogelgestalten? Traditionell und kulturell stellt ein Vogel oft die menschliche (exkarnierte) Seele dar. Vier Vögel könnten hier den ganzen (inkarnierten) Menschen darstellen. Der linke Vogel stünde in seiner deutlichen Präsenz für den physischen Leib. Die Physis setzt sich aus mineralischen Elementen zusammen. Das hat der Mensch mit den Gesteinen gemeinsam. Der zweite breitbeinig dasitzende Vogel besässe das übergreifende alles Lebendige durchdringende Element des Lebens- oder Ätherleibes, das auch den Pflanzen eigen ist. Der dritte Vogel präsentiert mit seiner Spiralbewegung die Seele oder den Astralleib. Die Ur-Astralgeste ist die Spirale, wie ein Blick in die astrale Welt am Nachthimmel (Astra = Stern) bestätigt. Der vierte Vogel ist optisch der Kleinste. Haupt und Zunge ragen in die Aussenwelt, während die anderen drei Vögel mehr aufeinander orientiert sind. Ebenso verhält es sich mit dem menschlichen Ich. Es verbindet das Innenleben des Menschen mit der Aussenwelt und umgekehrt. Lanzen oder Pfeile sind ebenfalls Attribute des Ich.
Unabhängig davon ob sich Klee dieser Zusammenhänge intellektuell bewusst war oder nicht, hat er diesen Zusammenhang in irgend einer Form beobachtet und künstlerisch dargestellt. Witzigerweise gibt er seinen „Menschen“ die Fähigkeit zu zwitschern. Welch kühner Vorblick auf spätere Zeiten!