Wussten Sie, dass am 29. September Michaelstag ist? Was unterscheidet diesen Tag von den 364 anderen Tagen im Jahr, an denen auch eines oder mehrerer Heiliger, Märtyrer oder wie hier Erzengeln gedacht wird? Der 29. September ist neben dem Erzengel Michael auch den Erzengeln Gabriel und Raphael geweiht.

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass es im Herbst kein besonderes Kirchenfest gibt? Erntedank fällt zwar an den Herbstbeginn, es beruft sich aber auf einen Naturvorgang und nicht auf einen historischen oder zumindest mythologischen Vorgang. Im Winter wird an Weihnachten die Geburt von Jesus gefeiert, im Frühling zu Ostern gedenkt man der Auferstehung von Christus und im Sommer gibt es das Johannisfest zu Ehren Johannes des Täufers. Die Johannisfeuer beziehen sich allerdings auch gern mal auf die ebenfalls kurz vorher stattfindende Sommersonnenwende. Aber was ist mit dem Herbst?
Historische gesehen soll der Erzengel Michael am 29. September 492 auf dem Monte Gargano in Italien erschienen sein. Aber daraus gleich ein großes Fest machen, in Deutschland und sonst überall in der (christlichen) Welt? Der Erzengel ist – neben vielem Anderen – auch Patron der Deutschen, daher der Ausdruck „Deutscher Michel“. In älteren künstlerischen Darstellungen ist Michael oft als Drachenkämpfer zu sehen. Er hat den Mut und die Kraft den furchterregenden Drachen mit seinem Speer in Schach zu halten, ohne ihn zu töten. 
Mut ist eine Tugend, die die Waage zwischen Feigheit und Übermut hält. Feigheit galt schon den Germanen als eines der größten Übel. Wer feige war, trug den (ehrlosen) Tod in sich, für sich und seine ganze Sippe. Und an dem Spruch „Übermut tut selten gut“ ist – wie an vielen Sprichworten – etwas Wahres. Mut braucht man immer dann, wenn man sich vor etwas fürchtet. Furcht zu überwinden, heißt sich nicht mit seinem Ich zu verstecken, sondern trotz der Furcht, aus dem Ich heraus, für seine Ideen und Gedanken einzustehen.  Oder Dinge zu tun oder zu lassen, aus bester Überzeugung heraus, auch wenn das erst mal unpopulär sein könnte. Die Feigheit muss man dann wie mit einem Sperr in Schach halten. Auch der Reiz sich besonders in Szene zu setzen und mehr zu riskieren, als man wirklich bewältigt, bedarf einer Menge Beherrschung durch das Selbst. Seine Mitte muss jeder Mensch für sich entdecken und stärken. Aus ihr entsteht der Mut. Niemand weiß es besser als man selber, wenn man mal in die eine oder andere Richtung über die Stränge schlägt und eben kennen Mut beweist.
Einen Tag, an dem man sich besonders daran erinnert an sich zu arbeiten, ist eine wunderbare Einstimmung auf die anstehende Herbstzeit, die ja in  mehrerer Hinsicht wieder mehr ins Innere führt. Es ist Zeit Michaeli zu feiern.