Der Jahreswechsel ist ein einschneidendes Ereignis. Der kontinuierliche Ablauf der Zeit wird unterbrochen, sogar ausgesetzt. Danach läuft die Zeit zwar wieder weiter, allerdings unter einer neuen Ziffer, der neuen Jahreszahl. Das ist kein einfacher Vorgang. Es bedarf einer Vor- und einer Nachbereitung. Nicht zufällig liegt Silvester, bzw. Neujahr eingebettet in die Zeit zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar, also „Zwischen den Jahren“. In der Mitte der Zwischenzeitspanne wechselt das Jahr. Ist so viel Aufwand nötig?
Bereits in mythologischen Zeiten erlebte man die Notwendigkeit, wenigstens einmal im Jahr Dämonen, Krankheiten und Sünden zu vertreiben. Dazu waren Waschungen, Reinigungen und Rituale notwendig. Das Löschen aller Feuer konnte dazugehören, die dann als Erneuerungsvorgang,neu entfacht werden mussten. Oder es wurde viel Lärm gemacht, um Dämonen zu vertreiben, was der urzeitliche Vorläufer der heutigen Silvester-Böller ist. 
Welche Form die Rituale auch annahmen, in jedem Fall ging es darum etwas Bisheriges (alt gewordenes) zu erneuern und zu verjüngen. Der Mensch versetzte sich so erneut an den Anfang der Zeit. Deshalb konnte man dann damit beginnen die Tage erneut von vorne zu zählen. Alles Alte durfte abgeworfen und zurückgelassen werden. Darin lag damals und liegt auch heute noch eine große Chance, sein Leben wieder neu zu erfinden. 
Der Sündenbock wurde ebenfalls zu dieser Zeit der Erneuerung, mit allem, was man los werden wollte, davon getrieben. Auch wenn wir heute in sehr modernen Zeiten leben, die Kraft die in der Erneuerung der Zeit liegt, können wir alle noch spüren. Uns tut eine Erneuerung genauso gut wie unseren Vorfahren. Es ist wichtig, sich von Zeit zu Zeit von der Erschöpfung zu erholen und stattdessen wieder an erneuernde Schöpfungskräfte heranzureichen. Das rechtfertigt den Aufwand!