Was passiert, wenn ein Mensch die Todesschwelle überschreitet? Alte Kulturen hatten da recht präzise Einblicke. Folgt man den Vorstellungen unserer keltischen und germanischen Vorfahren, geht nachtodlich das „eigentliche“ Leben in der Anderswelt fort. Wir haben in unserer Kultur heute – wenn überhaupt – leider nur noch magere Vorstellungen über das „Totenreich“.

Vielleicht sind wir deshalb so ahnungslos und wissen gar nicht, was wir unseren Verstorbenen schuldig sind. Wenn wir sie schon nicht seelisch auf ihrer Reise – fort von uns – begleiten können, so sollten wir ihnen vielleicht doch etwas Konkretes mitgeben. Es müsste etwas sein, was sie wirklich benötigen, obwohl „das letzte Hemd keine Taschen hat“. Mit WAS kann der leibbefreite Wesenskern des Menschen nun noch etwas anfangen? Was benötigt er gar?
Ich stelle mir vor, man ist zuerst überrascht bis geschockt, dass man ohne physischen Leib existieren kann. Die Seele muss sich mit der neuen Lage zurechtfinden. Von Alters her diente ein formschöner Nachen, also ein flacher Einbaum, bei der Überfahrt in die Anderswelt. Er gab eine gewisse Schale für den Wesenskern, der ja seiner bisherigen Hülle beraubt ist. In skandinavischen Ländern hat man verschiedene Grabbeigaben in Form eines Schiffsrumpfes gefunden. Mit diesen letzten Gaben wurde für die Wohlbehaltenheit der menschlichen Seele, sogar über den Tod hinaus, noch Sorge getragen. Die Seele wurde in ihrer ersten Not – auch auf der anderen Seite – nicht allein gelassen.
Auch der Menschenfischer ist in späterer Zeit oft in einem Nachen dargestellt worden. Die Fahrt über das bewegte Element ist ein Teil des Weges zwischen den Welten. Es gab (und gibt) offenbar Wahrbilder, die diese Strecke bewältigen helfen.