Also ich habe nichts gegen das Duzen, aber das Siezen finde ich oft auch ganz angebracht. Es kommt wie immer eben darauf an. In diesem Fall darauf, in welchem Verhältnis ich zu meinem Gegenüber stehen will, und wie ich mir wünsche, dass sich mein Gegenüber zu mir verhält. Oder welche Art Umgang ich gewahrt haben möchte.

Wie zeigt sich dieser Unterschied? Für mich in dem großen „I“ im Sie, bzw. im tiefen „U“ im  Du. Das „I“ ist ein hellerer, klarer Laut, der sich selbst so aufrecht anfühlt, dass man ihn eigentlich nur im Stehen aussprechen möchte. Jedenfalls klingt ein „I“ um so besser, je gerader, aufrechter man sitzt oder steht beim Sprechen. In diesem Sinne kommt das „Sie“ von dem Erwachsenen in mir und richtet sich auch an den Erwachsenen in meinem Gegenüber.

Das U dagegen ist ein Laut, der nach unten führt, wie in einen Brunnen oder eine Grube. Mit dem Du spreche ich eine ganz andere innere Schicht an. Das Du kann in diesem Sinn sehr viel eindringlicher sein, als  das Sie. Im täglichen Umgang mit seinen Mitmenschen erlebt man beides, im Ich und im Du. Vielleicht kann ich das Ich des anderen ja viel besser ansprechen, wenn ich den Anderen sieze?